Das Ereignis (Pressetext) Stell Dir vor es ist Sommer, die Vögel zwitschern, die Blätter der Bäume rauschen im sanften Wind und der Himmel ist strahlend blau. Plötzlich zerreisst ein greller Blitz die Idylle, die Luft fängt an zu brennen. Auf einen ohrenbetäubenden Knall folgt eine Druckwelle und reißt dich von den Füßen. Eine riesige pilzförmige Wolke wächst in den Himmel.
Was könnte das gewesen sein? Ein Asteroid? Ein Komet? Eine Atombombe?
Am 30. Juni 1908 ist eben dies in der Tunguska-Region passiert, doch mit Atombomben wurde erst gut 30 Jahre später experimentiert. Was also hat diese Katastrophe ausgelöst? Bisher ist keine Hypothese imstande, die Gesamtheit aller Fakten und Merkmale der Tunguska-Katastrophe logisch und vollständig zu begründen. Mehrere Wissenschaftler vermuten einen vulkanähnlichen Ausbruch als Ursache für die Katastrophe. Das Ereignis sei eine Explosion von 10 Millionen Tonnen ausgetretenem Erdgas, das in hohe Atmosphärenschichten aufstieg, sich dort entzündete und als Feuersäule bis hinunter zur Austrittsstelle abbrannte. Diese Theorie wird durch Zeugenaussagen bekräftigt, die von verschiedenen Bewegungsrichtungen der Leuchterscheinung sowie von einem leichten Erdbeben berichten.
Geheimakte Tunguska knüpft an diese Theorien an und erzählt die Geschichte zweier Menschen, die nach fast 100 Jahren mit jenem Ereignis konfrontiert werden: Max und Nina.
Das Spiel (Preview) Es war in den letzten Monaten still um das Adventure. Ursprünglich für den Juni 2006 geplant, wird es nun im September erscheinen. Und es hat ganz den Anschein, dass es eines jener Adventures wird, die sich mit einer soliden Spannungskurve, einem temporeichen Erzählverlauf und feinem Humor schnell in die Reihe der Genrereferenzen einreihen. Mein Eindruck von der Games Convention 2005 hat sich damit nur verstärkt. Denn das grafisch und atmosphärisch hohe Niveau wurde beibehalten, die Locations sind ausgesprochen detail- und farbenreich gestaltet und die Rätsel abwechslungsreich und sehr unterhaltsam.
Ich glaub’, ich sitz im Kino Geheimakte Tunguska startet mit einem rasanten Intro, das mit knappen Szenen von der Geschichte erzählt, die den Spieler erwarten wird. Eine Geschichte, wie sie vielleicht jeder einmal erleben will. Und so wie dieses Intro präsentieren sich auch die anderen Videosequenzen, die ihre Funktion bestens erfüllen: flüssig, spannungsgeladen und immer ein Teil der Gesamthandlung. Sie sind allesamt hochauflösend, kein Pixel trübt das Vergnügen. Da macht das Zuschauen richtig Spaß.
Schöne Details Die Version der GC 2005 gab ja schon einen kleinen Vorgeschmack auf die atmosphärische Qualität. Die aktuelle Preview verstärkt diesen Eindruck nur noch mehr. Das, was man hört und sieht, ist durchgängig in Bewegung und zieht den Spieler schnell in das Geschehen hinein. Die Hintergründe sind wunderschön und farbenreich gezeichnet und mit großer Liebe zum Detail animiert: Kleidungsstücke flattern auf der Wäscheleine, Motten umschwirren eine Laterne in der Nacht, ein Lüftungsgitter wackelt im Wind. Da möchte man gerne noch ein Weilchen in den Kulissen herumspazieren, einfach so, weil’s so schön ist. Die Musik ist kein Standardgedudel, sondern passend zum Thema.
Launige Sprüche Keine Frage: Geheimaktenforscherin Nina ist nicht auf den Mund gefallen. Wenn sie etwas untersucht, betrachtet, beobachtet oder ins Inventar packt, fällt ihr immer der passende Kommentar ein, je nach Sujet amüsiert oder bissig und oft mit einem Lösungshinweis verbunden. Ihre Bemerkungen fügen sich dabei immer wie Puzzleteile in die Gesamtstory. Wenn die Dialogqualität der anderen Charaktere ebenso unterhaltsam wird, dann dürfen wir uns freuen.
Alles mit der Maus Das Besondere steckt immer im Detail. Wie zum Beispiel beim schön gestalteten Optionsmenü. Oder beim Mauszeiger, der die möglichen Aktionen mit einem kleinen Hand- Augen- oder Rückwärtspfeil anzeigt. Je nach Hotspot und Funktion bedeutet das aufnehmen/sprechen, untersuchen oder ablegen. Hier kann also keine Verwirrung auftreten. Die Übergänge zur Nahansicht oder ins Optionsmenü und zurück sind weich und funktionieren einwandfrei.
Rätselreich So klassisch wie das Handling und das Spiel sind auch die Rätsel. Sie umfassen eine breite Palette an Knobeleien, angefangen von einfachen Inventar- und Kombinationsrätseln über Dialogoptionen bis zu trickreichen Aufgaben, die von A über D und C nach B führen. Alles, was ich bisher gesehen habe, passt sehr gut in das Gesamtbild und unterstützt den Spielfluss hervorragend. Es gibt sogar eine Spielhilfe, die Hotspots und Ausgänge anzeigt. Sehr verführerisch, aber eigentlich nicht nötig. Zum einen, weil sich die Lösungen aus dem Spielverlauf entwickeln und der Spieler darauf vertrauen darf, dass er niemals in Sackgassen gelockt wird. Und zum anderen, weil es viel zu schade wäre, Tunguska zu schnell zu lösen.
Gesamteindruck Schade, als die Preview vorbei war. Geheimakte Tunguska ist das ambitionierte Adventure eines begabten und engagierten Entwicklerteams. Animation Arts und Fusionsphere Systems haben mit ihren bisherigen Schritten Weitsicht und pures Vergnügen an einem schönen Spiel bewiesen und ich bin mir sicher, dass das Gesamtwerk den bisherigen Preview-Versionen in nichts nachstehen wird. Sein Handling ist leicht und intuitiv, seine Grafik wunderschön und seine Story packend. Tunguska bleibt nach wie vor mein großer Adventuretipp für 2006 und künftiger Favorit. |